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Der lange Weg zum Leben

인간 연습

  • Author

    Jeong-rae Jo
  • Publisher

  • Published Year

    2021
  • Gener

    Fiction
  • ISBN

    9791167140012
  • Page

    232
  • Language

    German

Synopsis


„Der lange Weg zum Leben“ Es geht in dem Roman um die Lebensgeschichte eines alten Mannes, der als politischer Häftling dreißig Jahre im Gefängnis verbracht hat. Hyeok Yun, die Hauptfigur, hat sich einstmals als Spion aus Nordkorea nach Südkorea eingeschlichen, um im kapitalistischen Süden ein sozialistisches Regime zu errichten. Er wurde jedoch gleich verhaftet und erst dreißig Jahre später, nach seiner, wenn auch erzwungenen, Bekehrung wieder freigelassen. Die Geschichte beginnt mit dem Tod von Dong-geon Park, Hyeok Yuns Gesinnungsfreund, ebenfalls ein ehemaliger Spion. Nach ihrer Entlassung erfahren die beiden „Zwangsbekehrten“ – sie sind immer noch fest überzeugt von ihrer sozialistischen Ideologie und von deren Überlegenheit –, dass die Sowjetunion, ihr „ideologisches Vaterland“, zugrunde gegangen ist. Noch schlimmer für sie aber ist die Tatsache, dass ihr Vaterland, Nordkorea, sich in einem desaströsen Zustand befindet, was sie nicht begreifen können und auch nicht wollen. Sie stürzen in eine tiefe Sinnkrise: Sie wissen nicht mehr, wofür sie bislang gelebt haben und wozu sie noch leben sollen. Dong-geon Park kann das alles nicht verkraften. Hyeok Yun sucht eine Antwort darauf, warum die sozialistische Ideologie eigentlich versagt hat. Dabei wird sein bisheriges Leben rückblickend aufgerollt: Wie er vom Norden in den Süden kam, was er als „Roter“ im Gefängnis und danach in der südkoreanischen Gesellschaft, in der ein tiefer Hass gegen den Kommunismus herrscht, erlebt hat. (Er steht weiterhin unter strenger polizeilicher Überwachung.) Hyeok Yun erkennt allmählich, woran der Sozialismus gescheitert ist, und tritt langsam aus seiner ideologischen Abkapselung heraus – die Wandlung eines ideologisch verbohrten Menschen beginnt. Dabei spielen zwei Faktoren eine entscheidende Rolle: Hyeok Yun lernt zufällig zwei verwaiste Geschwister, ein Mädchen und einen kleinen Jungen, kennen. Sie treffen sich regelmäßig, und er kümmert sich um die Kinder. Die Fürsorge für sie wird zum neuen Inhalt seines Lebens, durch sie findet er Freude an einem Leben, das mit dem ganz banalen, aber praktischen Alltag der Menschen verbunden ist. Ein anderer Wendepunkt im Leben des alternden Hyeok Yuns ist die Begegnung mit einer Frau. Zuvor hat der literarisch begabte Hyeok Yun, der sich nach seiner Entlassung als Übersetzer verdingt hat, auf Drangen eines jungen Bekannten seine Autobiographie geschrieben. Eines Tages erhält Hyeok Yun Besuch von einer Frau, die seine Autobiographie gelesen hat. Sie lädt ihn in ein Kinderheim ein, das sie führt. Er zieht schließlich dort ein und verbringt im Kinderheim seinen Lebensabend. Hier dient er dem heranwachsenden Leben und findet darin Freude und auch den Sinn seines Lebens.

Inhalt


1 Wie ein fallendes Blatt 2 Zwei kleine Blüten 3 Philosophieren über das praktische Leben 4 Scheitern durch Krankheit 5 Mitten im menschlichen Blütenfeld Erläuterung (Kwang-su Hwang) Nachwort des Autors

Über den Autor


Jeong-rae Jo (auch Jong-rae Jo) wurde am 17. August 1943 als Sohn eines buddhistischen Mönchs in Suncheon in der Provinz Jeollanam-do geboren. Er, einer der meistgelesenen zeitgenössischen Autoren in Korea, zeigte schon in seiner frühen Jugend großes Interesse an Literatur. Nach seinem Studium der Koreanistik an der Dongguk Universität in Seoul war er einige Jahre als Lehrer für koreanische Literatur tätig. Seine schriftstellerische Laufbahn begann Jeong-rae Jo mit der Erzählung Verruf, die im Jahr 1970 in der Literaturzeitschrift Moderne Literatur veröffentlicht wurde. Das Hauptthema seines literarischen Schaffens ist die Teilung der koreanischen Halbinsel, einer tragischen Zäsur in der modernen Geschichte Koreas, einschließlich deren Vorgeschichte und Folgen. Denn die Teilung des Landes wirft immer noch tiefe Schatten über die koreanische Gesellschaft, und viele gesellschaftliche Konflikte, die wir im Moment zu bewältigen haben, wurzeln darin. Jeong-rae Jo ist in erster Linie bekannt als Autor der Roman-Trilogie Das Taebaek Gebirge (1989, 10 Bde.), Arirang (1995, 12 Bde.) und Der Han-Fluss (2001, 10 Bde.). In den drei monumentalen epischen Werken stellt der Autor die moderne Geschichte Koreas, die fast ein Jahrhundert umfasst, literarisch dar – angefangen mit der Teilung der koreanischen Halbinsel und dem damit verbundenen ideologischen Kampf zwischen den Kommunisten und den Demokraten bis zum Ausbruch des Koreakriegs im Jahr 1950 (Das Taebaek Gebirge); dann den Untergang der letzten koreanischen Dynastie und die daran anschließende japanische Kolonialherrschaft (Arirang) und vor diesem Hintergrund die konfliktreiche koreanische Gesellschaft in der Nachkriegszeit (Der Han-Fluss). Diese Werke fanden nach ihrem Erscheinen einen überwältigenden Widerhall beim Leserpublikum. Alle drei Werke waren Dauer-Million-Seller, insgesamt wurden mehr als 10 Millionen Exemplare verkauft. Es war eine einmalige Erscheinung in der koreanischen Gegenwartsliteratur, und der Autor hat dadurch einen festen Platz in der zeitgenössischen Literatur Koreas erobert. Als der koreanische Bürgerkrieg 1950 ausbrach, war der Autor gerade im Schulalter. Er erlebte den ganzen Krieg hautnah und wuchs inmitten der unruhigen Nachkriegszeit heran. Es ist daher nicht verwunderlich, dass das literarische Schaffen von Jeong-rae Jo – sei es direkt, sei es indirekt – um diese Themenbereiche kreist, auch wenn dies nicht sein einziges Thema ist. Das Œuvre des Autors, dessen Schaffenszeit mittlerweile mehr als ein halbes Jahrhundert umfasst (er ist immer noch literarisch aktiv), ist sehr umfangreich. Zu nennen wären, außer den oben beschriebenen Werken, die Erzählungen Gelbe Erde (1974), Land der Verbannung (1981), die Romane Spiel mit dem Feuer (1999), Daejanggyeong (1999), Der lange Weg zum Leben (2006), Jeonggeulmalli (2013) u.a. Jeong-rae Jo wurde für sein Schaffen und seine literarische Arbeit mit vielen renommierten Preisen gewürdigt, z.B. dem Preis für zeitgenössische Literatur, dem Literaturpreis der Republik Korea, dem Dongguk Literaturpreis, dem Dan-Jae Literaturpreis, dem Sim Whun Literaturpreis u.a. Viele seiner Werke sind bereits in verschiedene Sprachen, wie zum Beispiel Chinesisch, Englisch, Französisch und auch Deutsch, übersetzt worden, einige wurden auch verfilmt.

Book Review oder Die Aussagekraft des Buches für die deutschen Leser


Jeong-rae Jo hat in dem Roman Der lange Weg zum Leben das Problem eines politischen Langzeithäftlings thematisiert, das mit der Teilung Koreas unmittelbar verbunden ist. Es ist immer noch ein heikler literarischer Stoff: Denn angesichts der anhaltenden Konflikte zwischen Nord- und Südkorea ist die Gefahr groß, dass die Probleme einseitig betrachtet und in Schwarz-Weiß-Schemata gepresst werden, und dass auch ein literarisches Werk dementsprechend instrumentalisiert wird. Der lange Weg zum Leben ist eins der wenigen literarischen Werke in der koreanischen Bundanmunhak , die versuchen, mit dieser Problematik umzugehen. Es geht im Roman nicht um einseitige Urteile und Behauptungen. Es wird vielmehr ein facettenreiches Menschenbild mit all seinen Widersprüchen und Schwächen entworfen, gewissermaßen als Verkörperung der ausweglosen Situation, in der sich die Konfrontationen zwischen dem Norden und Süden widerspiegeln. Der neue Weg, den der ehemalige Kommunist Hyeok Yun nach vielen Irrtümern am Ende einschlägt, könnte daher einen möglichen Ausweg aus der Gespaltenheit des Landes aufzeigen, der dem geteilten Korea den Weg in die Zukunft weisen soll. Der Autor schreibt im Nachwort des Romans: „Der Mensch sucht und versucht in seinem langen Leben immer wieder irgendetwas Neues: Manchmal gelingt es, aber viele Male auch nicht; dann sucht und versucht man erneut... Das endlose Ausprobieren ist wohl eine Art ‚Übung‘, durch die man lernt, menschenwürdiger zu leben. [...] Mit dem Gedanken, dass ich mit diesem Roman meine literarische Arbeit über das Thema „Teilung des Landes“ abschließen möchte, habe ich ihn geschrieben.“ Korea ist das einzige Land auf der Welt, das aus ideologischen Gründen geteilt ist. Aber Deutschland hat in seiner jüngsten Geschichte sehr ähnliche Erfahrungen gemacht. Die Geschichte des Romans wird daher vielen Lesern in Deutschland vertraut vorkommen; manche haben die Zeit der Teilung wohl noch selbst erlebt, und manche erleben sie in einer anderen, indirekten Form, z.B. durch die Konflikte, mit denen sie sich nach der Wiedervereinigung Ost- und Westdeutschlands in der Gesellschaft konfrontiert sehen. Diese gemeinsame Erfahrung ist eine wichtige Grundlage für ein gegenseitiges Verständnis. * Bundanmunhak – Bundan: Teilung, Munhak: Literatur – ist ein eigentümlicher Begriff, der in Korea für eine Gruppe literarischer Werke steht, welche – in direkter oder indirekter Form – die Probleme der Teilung der koreanischen Halbinsel zum Thema haben. Es handelt sich hier um eine thematisch bestimmte Literaturgattung.

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